ga stuhl 7-070

Hans Bellmann, 1955

Aus eins mach zwei und aus zwei mach eins: Ganz vereinfacht ist dies das Prinzip des ga stuhls. Mit seinen zwei Schalen ist er ein einzigartiger und innovativer Entwurf der 50er Jahre. Der Schweizer Architekt und Gestalter Hans Bellmann entwarf den Stuhl im Jahr 1955 und horgenglarus stellte ihn bis 1970 her. Nun legt die älteste Tisch und Stuhlmanufaktur der Schweiz den innovativen ga stuhl wieder auf.

Aus eins mach zwei und aus zwei mach eins: Ganz vereinfacht ist dies das Prinzip des ga stuhls. Mit seinen zwei Schalen ist er ein einzigartiger und innovativer Entwurf der 50er Jahre. Der Schweizer Architekt und Gestalter Hans Bellmann entwarf den Stuhl im Jahr 1955 und horgenglarus stellte ihn bis 1970 her. Nun legt die älteste Tisch und Stuhlmanufaktur der Schweiz den innovativen ga stuhl wieder auf.
Wie bereits vier Jahre zuvor beim einpunktstuhl experimentierte Hans Bellmann für den ga stuhl mit Formsperrholz und lotete die Fertigungsmöglichkeiten für Sitzschalen aus. Er wollte über die Zweidimensionalität hinaus der Schale eine weitere Dimension geben. Dieser Gedanke war der Ausgangspunkt für den neuen Entwurf.
Bellmann verwendete eine breitere Schale, teilte sie in der Mitte, um dann die beiden Teile nicht genau parallel, sondern leicht versetzt wieder zusammenzusetzen. Ein einmaliges Vorgehen, die Sitzschale erst in der Sitzrichtung zu teilen, um sie dann wieder zu verbinden, denn damals waren die heutigen Fertigungsmöglichkeiten in der Ausformung und Dehnung von Sitzschalen noch nicht bekannt. Bellmann erreichte sein Ziel mit einem kleinen Trick: Er setzte die beiden Teile in einem leichten Winkel wieder zusammen. Durch die verschiedenen Schnittwinkel entsteht die dritte Dimension. Die Schale ist zwar nicht wirklich dreidimensional gebogen, gewinnt aber durch die Konstruktion eine Ebene hinzu. Daher wurde der ga-stuhl oft auch Zweischalenstuhl genannt.
Bellmann legt beim ga stuhl viel Wert auf Details und entwirft und zeichnet jedes Einzelteil selbst: Rückhalteschrauben, Gummiaufleger oder Gummistulpen für die Beine. Er entwickelte gar ein ganzes ga Programm, das in den 50ern und 60ern bei horgenglarus im Sortiment war: Versionen mit und ohne Armlehnen, stapelbar oder nicht, als Schaukelstuhl mit Holzkufen, mit abnehmbarem Stoffbezug oder als drehbarer Bürostuhl mit Höhenverstellung.
Mit seiner einzigartigen Konstruktionsweise und dem aussergewöhnlichen Design zählt der ga stuhl heute zu den Klassikern des Schweizer Möbeldesigns. Für die Schweizerische Landesaustellung Expo in Lausanne 1964 richtete der Architekten Marc j. Saugey aus Genf das Restaurant Ticino komplett mit ga stühlen ein. Ebenfalls eingesetzt wurde das Modell in den Lehrzimmern der Mädchenschule Luftmatt, Basel, wie man im Katalog von horgenglarus aus dem Jahre 1965 nachlesen kann. Der ga stuhl erhält im Jahr 1956 die Auszeichnung "Die gute Form" des Schweizerischen Werkbunds SWB.
Bellmann bleibt sich beim Konstruktionsprinzip auch beim ga treu: Er bevorzugt es schnörkellos und praktisch. Beim einpunkstuhl verwendet er eine einzige Schraube, beim ga stuhl zwei: Die zweigeteilte Sitzschale des ga stuhls wird am Rücken mit einer kleinen und an der Unterseite mit zwei Metallplatten verbunden. An diese wird das Stahlrohruntergestell mit zwei Schrauben fixiert. Den ga stuhl gibt es in Schwarznuss und in Buche natur, schwarz oder gebeizt mit schwarzmattem Metalluntergestell. Er ist 40 cm breit, 53 cm tief, und 81 cm hoch, die Sitzhöhe liegt bei 46 cm.
Warum trägt dieser Stuhl die Bezeichnung ga? Laut Rosemarie Bellmann, der Witwe von Hans Bellmann, plante er ursprünglich einen Entwurf für den Garten.

Sitzschale Formsperrholz zweiteilig, Metallgestell schwarz matt
B40, T53, H81, SH46

Gestalter

hans bellmann

1911 – 1990

Mit Mitte 30 hatte er bereits zwei Weltkriege erlebt: Hans Bellmann lebte in einer extremen Zeit. Beeinflusst durch sein Studium am Bauhaus und die Zusammenarbeit mit Mies van der Rohe versinnbildlichen seine Entwürfe das Lebensgefühl der Nachkriegszeit, eine Zeit des Aufbruchs, der Ressourcenknappheit und wachsender Mobilität. Denkt man heutzutage an Schweizer Designer der 50er und 60er Jahre ist Bellmann sicherlich nicht der erste, der einem in den Sinn kommt und doch ist er unbestritten einer der Wegbereiter der klassischen Moderne.

Bilder